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Luftalarm am 15. April 1943

Eingestellt von

Heinz Dipper
Heinz Dipper
am 21.01.2009

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Zeitzeugenbericht

Ich habe mir lange überlegt,ob ich diesen Auszug aus meinem Lebenslauf, den ich für meinen Sohn Michael und meinen Enkel Christian geschrieben habe, hier einstellen soll, einen Bericht eines damals 15 jährigen über einen irren Vorgang, der mich heute als 80 jährigen noch sehr bewegt. Nun, ich will es wagen:

Also: Der 15. April war ein ruhiger Tag, sodass sogar die Schule ungehindert abgehalten werden konnte. Man lebte in der Hoffnung, eine ruhige Nacht verbringen zu können.
Am späten Abend gab es dann doch noch einen Voralarm, der aber bald wieder aufgehoben wurde. Beruhigt ging man zu Bett, die Nacht war gerettet.

Doch dann fing die Katastrophe an. Kurz nach Mitternacht erhoben die Sirenen ihr fürchterliches Geheul, das durch Mark und Bein ging. Man stürzte aus dem Bett,denn es war größte Eile gebote und zog sich an, wenn man nicht schon angezogen geschlafen hatte. Man öffnete die Fenster und Türen, ich brachte meine beiden Wellensittiche, Max und Moritz hinter dem Sofa in Sicherheit und deckte sie mit einem Kissen zu.
Dann das Bunkergepäck geschnappt und raus ins Treppenhaus. Dort stand schon, noch halb schlafend , die 6 jährige Tochter unserer Nachbarin. Wie immer nahm ich sie schnell untern Arm und schleppte sie in den Keller. Ihre Mutter kam mit dem 3 jährigen Bruder hinterher.
Insgesamt waren wir 12 Erwachsene und 8 Kinder im Alter von 3 bis 15 Jahren und wir hatten alle fürchterliche Angst.
Die Flak begann schon zu schießen als die Letzten eintrafen. Man setzte sich auf die Bänke entlang der Innenwand und harrte vor Angst zitternd der Dinge, die hoffentlich nicht kamen.
Aber, sie kamen.
Unser Luftschutzwart, der immer an der Haustüre auf Ausguck stand, kam hereingestürzt schloss schnell unser Stahltüre und verkündete, dass in westlicher Richtung jede Menge Christbäume am Himmel hingen. Das waren die Zielmarkierungen für die den Pfadfindern nachfolgenden Bomberverbände. Und die folgten nach in sehr großer Menge. Man hörte das nervenaufreibende unangenehme und immer stärker werdende Geräusch vieler Motoren und dazwischen die Explosionen der Flakgeschosse.
Der immer lauter werdend Bomberstrom kam direkt auf uns zu
Bomben fielen in Massen. Es rauschte, pfiff und knallte in allen Tonarten. Dann zwei fürchterliche Explosionen ganz in der Nähe und noch zwei weitere derselben Art.Die Einschläge lagen sehr nahe und trotz geschlossener Türen jagte ein Sturm durch den Keller, Staub wirbelte auf, der Boden zitterte und zeitweise erlosch auch das Licht. Zitternd und bebend vor Angst sassen wir auf unseren Plätzen und rührten uns nicht.
Dann wurde der Lärm leiser und verstummte. Jetzt kam wieder Leben in die Insassen. Zwei Männer versuchten die Türe zu öffnen und das klappte. Sie marschierten durchs Haus und entdeckten auf der Bühne eine Brandbombe die sie durch das abgedeckte Dach ins Freie warfen.
Schnell kamen sie zurück, denn die zweite Welle rollte an Gottseidank etwas westlicher von uns, sodass wir von Bomben verschont blieben.
Dann, nach über einer Stunde kam Entwarnung. Jetzt konnten wir durch das Haus gehen. Es sah furchtbar aus, wir hatten kein Dach mehr über uns und die Fenster und Türen waren in fürchterlichem Zustand. Von meinen beiden Wellensittichen fehlte jede Spur und ich war doch sehr traurig. Die Wohnung sah völlig unbewohnbar aus und man fing noch in der Nacht an, etwas Ordnung zu schaffen.
So, das wars, ich denke, es hat mir geholfen.

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