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Das schwerste Strassenbahnunglück in Stuttgart 1946

Eingestellt von

Horst M. Herrmann
Horst M. Herrmann
am 02.09.2009

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Ort

Akexanderstraße Blumenstraße, Stuttgart

Dieser Bericht ist folgendem Album zugewiesen:


Zeitzeugenbericht

Im Februar 1946 ereignete sich in Stuttgart ein furchtbares Strassenbahnunglück. Durch die Bombenangriffe waren sehr viele Strassenbahnfahrzeuge zerstört worden. So wurden aus anderen Städten, aus Pforzheim und Würzburg, Strassenbahnwagen ausgeliehen. Diese Städte hatten durch sehr starke Zerstörungen ihrer Strassenbahnstrecken im Krieg noch nicht wieder eine entsprechende Infrastruktur aufbauen können, deshalb konnten sie für einige Zeit auf ihre Wagen verzichten. Beide Strassenbahntypen waren aber eigentlich nicht für solche extrem steile Strecken wie in Stuttgart ausgelegt und hatten keine Magnetschienenbremsen wie die Stuttgarter Wagen. An einem kalten Morgen fuhr eine PforzheimerBahn der Linie 10 mit Anhänger mit wenigen Fahrgästen vom Eugensplatz die sehr steile Alexanderstrasse Richtung Charlottenstrasse hinunter. Kurz nach dem Losfahren versagte die Wirbelstrombremse des Antriebsmotors und die Bahn raste mit rasch zunehmender Geschwindigkeit auf dem steilen Gefälle talwärts. Einige Fahrgäste waren abgesprungen, nachdem der Fahrer geschrienen hatte, dass die Bremsen versagen würden. Sie wurden zwar schwer verletzt, aber sie überlebten. Beim Übergang in die Blumenstrasse war eine kurze, enge Kurve. Hier sprang der Wagen aus den Schienen und raste nun auf dem Asphalt weiter die Blumenstrasse hinunter. Der Fahrer versuchte verzweifelt, die Bahn mit der per Handkurbel betätigten Feststellbremse zum Halten zu bringen, aber vergeblich, deren Bremswirkung war nur sehr gering. Die Blumenstrasse mündet auf die Charlottenstrasse. Dort hielt gerade ein vollbesetzter Zug der Linie 18 mit zwei Anhängern an der dortigen Haltestelle. Der Pforzheimer Wagen bohrte sich mit voller Wucht genau in der Wagenmitte durch den Motorwagen der Linie 18. Die Passagiere hatten in dem überfüllten Wagen keine Chance, sich zu retten, obwohl die Meisten das Unheil kommen sahen. Die Folge waren 12 Tote und 53 zum Teil sehr schwer Verletzte. Auch die Fahrer beider Bahnen kamen ums Leben. Von beiden Wagen waren nur noch großformatige Trümmer übrig. Die beiden Anhänger waren nur wenig beschädigt. Mein Schwager Richard Teufel hatte einem gütigen Schicksal zu verdanken, dass er noch lebte. Er wollte am Eugensplatz in die Linie 10 einsteigen, diese fuhr ihm aber vor der Nase weg. Die Nachricht von dem Unglück ging wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Nach der Schule gingen wir zu dem Unglücksort. Die Opfer waren schon alle geborgen, aber die Trümmer der Bahnen boten ein Bild des Grauens, das uns noch lange beschäftigte. Die ausgeliehenen Bahnen durften von da an nur auf rein horizontalen Strecken verkehren.

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Kommentare

von Horst M. Herrmann, am 02.09.2009 11:45 Uhr

Das scheint heute fast vergessen zu sein!

von Karl Rathgeb, am 03.09.2011 04:51 Uhr

Es war ein Pforzheimer Leihwagen der das Unglück verursachte!
Link zum Pforzheimer Strassenbahn Rückzug!
http://www.historischer-nahverkehr-pforzheim.com/#Strassenbahn 1946
Zum Strassenbahnunglück am Olgaeck 11.2.1946
Vorne, beim Fahrer im 10er mitgefahren, dazu mindestens 6 andere Leute.



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