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Jugendliche kämpfen gegen das NS-Regime


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Ort

Unterer Schlossgarten, Stuttgart

Zeitzeugenbericht

Bericht von Johann Gasparitsch über die Vorgänge nach der Verhaftung seines Sohnes Hans durch die Gestapo im Jahr 1935 (aufgezeichnet 1948)


Vorbemerkung zum Verständnis:

In den Stadtbezirken Stuttgarts fanden sich junge Leute zusammen, die in Opposition zum NS-Regime standen. Bekannt geworden ist die Gruppe G (Geheim), deren Mitglieder den Drill und die militärische Ausrichtung in der HJ und in den Sportvereinen ablehnten. Schon im Sommer 1933 stellte sich die Frage politischer Aktionen. Kopf der Gruppe war Fritz Brüsch, der aus der kommunistischen Jugend kam. Nach seiner Verhaftung im Dezember 1934 beschlossen seine Freunde eine spektakuläre Aktion. Doch sie schlug fehl: Hans Gasparitsch und zwei seiner Freunde liefen der Polizei in die Hände, als sie im Unteren Schlossgarten die Parolen „Hitler = Krieg“ und “Rotfront“ auf die Sockel der Rossbändiger-Statuen gemalt hatten. Das Material trugen sie noch in der Tasche. Anhand eines Fotoalbums, das bei der anschließenden Hausdurchsuchung gefunden wurde, gelang es der Polizei, die Gruppe aufzurollen. Am 25. März 1936 wurden 21 junge Leute, die zur Hälfte noch nicht 18 Jahre alt waren, zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt.


Der Bericht von Johann Gasparitsch:

"Gestapo-Beamter Keller hat mich am 28.10.1935 in meiner Wohnung morgens zirka 8 Uhr verhaftet und hielt zugleich eine Haussuchung ab, wobei er sich sehr unverschämt benahm, beschlagnahmte versch. Bücher, Photos, mehrere Jahrgänge der Alpinen Zeitschrift-Naturfreunde, weitere Literatur die nicht verboten war.

In meiner Werkstätte Rotenbergstr. 106 warf er meine Rechnungen und Geschäftskorrespondenz untereinander, machte ihn aufmerksam, dass er sich als Beamter anständig verhalten soll, da brüllte er mich an, ich hätte mein Maul zu halten, er machte was er will.
Im (Hotel) Silber (dem Stuttgarter Sitz der Gestapo) angekommen, ließ er mich bis Abends warten trotz meiner großen Magenschmerzen, brüllte mich an und es hätte nicht viel gefehlt, wäre er tätlich gegen mich geworden.
Trotz meiner Proteste, dass meine Sachen zu Unrecht beschlagnahmt wurden, sagte er, dass ob Recht oder Unrecht, die Sachen werden eingestampft.

Meine Freilassung bzw. die Entscheidung darüber entschied ein Obersekretär Schmid, der verständig war und den Gernegroß Keller anschrie, er solle 3 Fragen mit mir besprechen und dann mich freilassen.

Keller hat es durchgesetzt, dass ich lange Zeit keine Sprecherlaubnis mit meinem Sohn erhielt, auf meine wiederholten Vorstellungen, sagte er, dass er mich doch noch festsetzen wird, wenn es ihm auch das erste Mal nicht gelang.
Meine Frau hat er den ersten Tag nach der Verhaftung meines Sohns Hans festgenommen und auch Haussuchung abgehalten.
Meiner Frau hat er wiederholt gesagt, Sie soll über mich versch. aussagen, was mich belasten würde. Selbstverständlich lehnte Sie dies ab.

Hatte mit Ihm öfters heftige Zusammenstöße, daher ließ er mich ständig bespitzeln, erkannte diese Subjekte jedes Mal gleich, auch er selber nahm sich die Mühe mich persönlich zu beobachten, da er mich unbedingt festnehmen wünschte.
Hatte erst Ruhe vor Ihm als er abgesetzt wurde."


Anmerkung:

In dem vorliegenden Text vom Jahr 1948 erinnert sich Vater Johann Gasparitsch an die Vorgänge nach der Verhaftung seines Sohnes: Die Haussuchung, die Verhöre der Eltern und die verweigerte Erlaubnis, mit seinem Sohn zu sprechen.

Frau Lili Gasparitsch, die Frau von Hans Gasparitsch, dessen Nachlass das Stadtarchiv verwahrt, hat darum gebeten, dass im Projekt "Von Zeit zu Zeit" ihres Mannes und des Jugendwiderstands im Dritten Reich gedacht wird.
Da sie selbst, wie sie sagte, leider nicht mehr schreiben kann, hat sie das Stadtarchiv gebeten, einen entsprechenden Text beizusteuern.

Text aus: Stadtarchiv Stuttgart 2127 (Nachlass Hans Gasparitsch) Nr. 41. Benutzung auf Anfrage.

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