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Allein gegen Alle

Eingestellt von

Veronica Schäffer
Veronica Schäffer
am 14.10.2008

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Ort

Villa Berg, Stuttgart

Zeitzeugenbericht

„Allein gegen Alle“
Eine Sendung von und mit Hans Rosenthal


„Allein gegen Alle“ war in den 60er und 70er Jahren der Renner im Rundfunk und der große Unterhaltungsdampfer, bei dem sich die ganze Familie vor dem Radio versammelte und sich von einer einfachen wie genialen Spielidee fesseln ließ. Was heute „Wetten, dass ...?“ für das Fernsehen, war damals „Allein gegen Alle“ von und mit Hans Rosenthal.

Hans Rosenthal, 1925 in Berlin geboren und 1987 auch dort gestorben, war ein deutscher Entertainer, Moderator, Mitglied im Zentralrad der Juden, der unvergessen geblieben ist. Er wuchs in einer Familie in Berlin-Prenzlauer Berg auf und verlor schon sehr früh Vater und Mutter. Sein Bruder und andere Angehörige wurden in der Shoa ermordet. Er selbst wurde 1940 von den Nazis zur Zwangsarbeit herangezogen. Ab 1943 tauchte er unter und überlebte bis zum Kriegsende im Versteck, in dem ihn drei nichtjüdische Berlinerinnen unterstützten. 1945 machte er eine Ausbildung beim Berliner Rundfunk und startete 1948 als Aufnahmeleiter und Unterhaltungsredakteur beim RIAS seine Rundfunkkarriere. Er wurde Quizmaster bekannter Unterhaltungssendungen im Hörfunk, die er auch meist selbst entwarf. Da gab es z. B. „Wer fragt, gewinnt!“, „Das klingende Sonntagsrätsel“, „Spaß muss sein“, „Da ist man sprachlos“ und „Günter Neumann und seine Insulaner“ und natürlich „Allein gegen Alle“. Eine Spielidee, in der ein Einzelner oder eine Einzelne einer ganzen Stadt fünf knifflige Fragen stellt, die die Stadt in 15 Minuten, mit jeweils drei Versuchen pro Frage beantworten muss. Der Sieger kommt eine Runde weiter. Eine Stadt, die drei mal erfolgreich war, bekam den Titel: „Unschlagbare Rätselstadt“. Fast 70 Städte sicherten sich im Laufe der Jahre diesen Titel. Ein Fragesteller, der sich zunächst mit einer Kleinstadt konfrontierte, bekam bei Erfolg als nächsten Gegner eine mittelgroße Stadt und bei einem weiteren Sieg eine Großstadt als Gegner. In der vierten Runde hieß der Gegner zunächst Berlin, später kamen dann die Landeshauptstädte dazu. Und wenn der Einzelne auch diese Hürde nahm, dann bekam er den Titel: „Männeken Quiz“, oder bei den Damen „Mannequin Quiz“.
Vier erfolgreiche Runden das schafften von ca. 250 Fragestellern im Laufe der Jahre 13.

Es war immer eine Live-Übertragung, die einmal im Monat gesendet wurde, und immer am Samstag und bis ins Jahr 1977. So kamen insgesamt 161 Sendungen zusammen. Jeweils in der Stadt, in der die Sendung übertragen wurde, agierte eine Jury, die darüber befinden musste, ob die jeweils abgegebenen Antworten der Städte richtig oder falsch waren. Das Foto zeigt die Jurymitglieder im Funkhaus der Villa Berg in Stuttgart 1966 während solch einer Live-Sendung. Schiedsrichter waren der damalige Kulturstadtdirektor Schumann, links im Bild, der Amtsgerichtspräsident Jauch(Mitte) und der Leiter der Lokal- und Landredaktion der Stuttgarter Zeitung, Richard Glaser (Rigl) rechts.

Als junge Frau, gerade so über die 20 Jahre jung, durfte ich natürlich mit ins Funkhaus und die Sendungen wirklich live erleben mit anschließendem gemütlichen Beisammensein mit dem Initiator Hans Rosenthal, den in dieser Sendung aufgetretenen Künstlerinnen und Künstlern und allen, die zum Gelingen dieser Sendung beigetragen hatten. Später wanderte „Allein gegen Alle“ noch für einige Jahre ins Fernsehen, aber die Rundfunksendungen waren und blieben in ihrer Art einzigartig und äußerst erfolgreich. Noch heute kann man im Archiv des Deutschlandradios über Podcast viele dieser damaligen Sendungen wieder neu in seiner eigenen Erinnerung aufleben lassen.

Veronica Schäffer-Glaser

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