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Schauspielhaus

Eingestellt von

Waltraud Beck
Waltraud Beck
am 07.01.2009

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Ort

Kleine Königstraße, Stuttgart

Dieser Bericht ist folgenden Album zugewiesen:


Zeitzeugenbericht

Als Jugendliche hatte ich einen starken Impuls zu allem, was mit dem Theater zusammenhing. Nicht nur das Darstellen einer Figur in einem Stück fesselte mich, ich war mitten drin im Geschehen. Was sich da unten auf der Bühne abspielte. war für mich die große Welt. Hatte erst einmal das Stück begonnen, vergaß ich die Unbequemlichkeit in der Zwetschgendörre und verfolgte nur gespannt die Handlung, die ich schon vorher Wort für Wort gelesen hatte.
Ich ging selten ins Kino, sparte jeden Groschen für das Theater. und kaufte Reclam-Heftchen
Ich hatte auch die Möglichkeit durch meine Schulfreundin in die Oper zu kommen, Musik empfand ich als etwas Göttliches. Diese Hingabe war später der Grund meines Beitritts zum Stuttgarter Liederkranz.
Doch das hatte mit dem Theater nichts zu tun, im Schauspiel erlebte ich das dramatische Geschehen . Wenn ich an die Schauspieler Rolf Henniger, Helmut Schmid, Heinz Reincke, Hans-Helmut Dickow denke, und die älteren wie Benno Sterzenbach und Hans Mahnke, außerdem an Mila Kopp die ich als Mutter Courage und ihre Kinder gesehen hatte, so läuft es mir jetzt noch kalt den Rücken herunter.
Rolf Henniger war mein großer Schwarm, seine Stimme war wahnsinnig aufregend, sie war so melodisch, aber auch Heinz Reinckes markige Stimme und sein jugendliches draufgängerischen Auftreten ging mir durch und durch.
Am Ende einer Aufführung stand ich getreulich im Künstlereingang mit gezücktem Füller und Poesiealbum. Hans Helmut Dickow malte aus seinem Namen einen Dickkopf, er war immer sehr nett zu mir. Auch die anderen waren freundlich, bis auf Helmut Schmid, er beachtete mich kaum, sah von oben auf mich herunter, als ob ich eine widerwärtige Kröte wäre. Ich bestrafte ihn mit Ignoranz.
Dass ich als junges Mädchen dazu überhaupt fähig war, verblüfft mich heute, aber solche Erfahrungen waren prägend für mein Leben. Zum Beispiel reagiere ich auch heute noch auf den Klang einer guten Stimme, sie ist das A und O einer guten Verständigung.

Dieser Bericht interessiert 3 Chronisten



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