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Deutsche und Amerikaner - eine Einschätzung aus dem Jahr 1935

Eingestellt von

Eberhard Becker
Eberhard Becker
am 10.02.2009

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Zeitzeugenbericht

Der Unternehmer August Becker hat im Jahr 1935 eine mehrwöchige Reise in die Vereinigten Staaten unternommen und darüber einen fast 100-seitigen Bericht verfasst. Darin beschreibt er nicht nur die besuchten Firmen und die Hotels, sondern auch die Lebensgewohnheiten der Amerikaner. Diese Sicht eines Deutschen auf den ganz anderen Lebensstil der Amerikaner macht den Reiz des Berichts aus. Wir veröffentlichen an dieser Stelle drei Auszüge aus diesem Bericht - über die Schiffsreise nach Amerika, über das gigantische Hotel Walldorf-Astoria in New York sowie einige Überlegungen Beckers über das Verhältnis von Deutschen und Amerikanern. Gerade letztere sind nicht frei von antisemitischen Äußerungen.


Teil 3:
Deutsche und Amerikaner

Etwas Besonderes ist mir an den amerikanischen Menschen aufgefallen, ihr Nationalstolz. Sie sind stolz auf ihr Land und ihre Leistungen! Sie können das zwar auch. Was ich in den vielen Betrieben und an den großen Bauten auf den Straßen sah, war wirklich bewunderungswürdig .

Auch das "right or wrong" des Engländers ist dem Amerikaner eigen. Die Amerikaner pflegen dieses Gefühl, wie man mir sagte, ganz besonders, weil das Völkergemisch in Amerika hierzu zwingt. "Man muss in diesen Menschen das Gefühl großziehen, dass sie Bürger eines großen, starken Staates sind." Schon in der Schule fängt die Erziehung zur Liebe zum Vaterland und zur Achtung vor der Flagge an. Ein Satz, den mir ein Amerikaner sagte, ist bezeichnend für die Auffassung der Menschen. Die Kinder sprechen am Nationalfeiertag in der Schule ein Gelöbnis. Es lautet: "Ich verspreche Treue dieser Flagge und der Republik, die sie repräsentiert. Ein Volk, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle!" Wer in Amerika eine Flagge zerreißt, beschmutzt oder verbrennt, wird mit Gefängnis bestraft.

Interessant war mir auch zu sehen, dass auf Straßen und Plätzen gelegentlich ein Mann eine Treppenleiter, die er bei sich führte, bestieg und dort eine Ansprache an das Volk hielt. Wir Deutschen bekamen dabei unser Teil mit. Die Leiter war oben mit der Nationalflagge umhängt. Gebrauchte der Redner diese Höflichkeit nicht, dann wurde er vom Polizisten zur Strafe herangezogen. Selbst in den Kirchen hängt die Flagge.

So lernten wir denn dieses Volk kennen als ein unermüdlich fleißiges, höfliches und selbstbewusstes. Wir haben in Amerika viel Gastfreundschaft genossen und müssen sagen, dass man uns als Deutsche überall gern aufnahm. Wir hörten viel unsere Muttersprache und stellten auch zu unserer Freude fest, daß in manchen Familien die deutsche Sprache gepflegt und gesprochen wird, wenn es andererseits auch so war, dass viele Menschen, die selbst oder deren Eltern in Deutschland geboren waren, nur noch schwer deutsch sprachen.

Allgemein war in Amerika eine deutsch-freundliche Stimmung festzustellen, wenngleich man mit vielen unserer Maßnahmen, besonders in der Religions- und Judenfrage, nicht zufrieden war. Diese Unzufriedenheit drückt sich besonders bedauerlich aus, dass kaum noch deutsche Ware gekauft wird. Ich habe nur ein einziges Mal von Henkel in Solingen Stahlwaren gesehen; sonst war in den großen Geschäften nichts von deutscher Ware zu entdecken. Mir sagten mit den Verhältnissen Vertraute, dass es sehr schwer sein wird, das verlorene Gebiet wiederzugewinnen. Zu dieser Stimmung tragen natürlich in erster Linie die Zeitungen bei, die sich oft in jüdischen Händen befinden.

Immer wieder musste man auch die Frage hören, ob wir denn wieder einen Krieg beginnen wollten. Man war erstaunt, wenn wir dieses lachend bestritten und erklärten, dass kein Mensch in Deutschland an Krieg denke. Man verwies uns dann auf die Zeitungen, und oftmals habe ich sagen können: "Man hat Euch doch im Krieg so unendlich viel belogen, und jetzt glaubt Ihr wieder, was Euch die Zeitungen hier erzählen?" Ich glaube, wir haben in dieser Beziehung vielfach aufklärend wirken können und damit auch der Heimat einen Dienst erwiesen.
In verschiedenen Gesprächen, welche ich mit Amerikanern führte, konnte ich immer wieder feststellen, dass sich Amerika keinesfalls wieder in einen Krieg gegen Deutschland einlassen würde. Ich las hierüber Diskussionen in den Zeitungen. Auch haben verschiedentlich Versammlungen stattgefunden, in denen diese Frage behandelt wurde.

Z.Zt. macht ein "Rundfunkpriester" aus Detroit viel von sich reden. Er soll, wie ich hörte, fast jeden Sonntag im Radio über wirtschaftliche und politische Dinge sprechen. Kürzlich hielt er in der Riesenhalle im "Madison Square Garden" vor 20.000 Menschen eine Protestrede gegen Roosevelt. In dieser sagte er, unter dem starken Beifall seiner Zuhörer, im Rückblick auf Amerikas Teilnahme am Weltkrieg: " Die 4 Millionen amerikanischen Soldaten und Matrosen, die am Weltkriege teilnahmen, glaubten damals, sie setzten ihr Leben für die Demokratie ein. In Wirklichkeit wurden die Söhne unseres Landes nach Europa gebracht, um Englands Kredit und die Interessen der internationalen Bankiers zu verteidigen. J.P. Morgan, Englands Finanzagent und der führende Kopf in der Leitung der amerikanischen Federal Reserve Banken, brachte es fertig, Anleihen an England in Höhe von 2 Milliarden Dollar durchzusetzen, und Ihr armen Leute mußtet mit Eurem Gelde und Euerm Blute dafür zahlen."

So bricht sich auch in Amerika die Ansicht immer mehr Bahn, daß man für eine verlorene und ungerechte Sache gekämpft hat. Hoffentlich setzt sich diese Wahrheit zugunsten Deutschlands immer weiter durch.

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