Die Geschichtswerkstatt von Stuttgarter Zeitung und Stadtarchiv
Startseite
Werden Sie Chronist
Themen
Orte
Zeiten
 

Kirchenchor von Herz-Jesu Gablenberg

Eingestellt von

Dorothee Kaufmann
Dorothee Kaufmann
am 15.06.2009

Zugeordnetes Thema



Anmelden


Möchten Sie auch Bilder beitragen oder Ihre Erinnerungen zu einem Thema aufschreiben? Hier geben wir Ihnen alle Informationen, wie „Von Zeit zu Zeit“ funktioniert.


Ort

Schurwaldstraße 5, 70186 Stuttgart

Dieser Bericht ist folgendem Album zugewiesen:


Zeitzeugenbericht

Diesen Text hat meine Mutter verfasst und ich habe ihn im Original wiedergegeben.


Nach der Einweihung der Herz-Jesu-Kirche wurde der Kirchenchor gegründet.

Chorleitung und Organistendienst lagen in Händen katholischer Lehrer, die über eine gründliche musikalische Ausbildung verfügten.

1.Chorleiter war Herr Kimmich ( bis 1926/27 )
1.Organist Herr Sonntag ( bis 1931 )

Ab dem Jahr 1926/27 lag die Leitung des Chores in den Händen von Herrn Eugen Klotzbücher (1885-1943).
Ab dem Jahr 1931 war Herr Wiedmann Organist.
Beide Herren haben den Dienst im Kriegsjahr 1941 wegen Ortswechsel abgegeben.

Im Jahr 1924 hat Herr Klotzbücher das Orchester des Jung-Phönix mitbegründet du dessen Leitung übernommen. Mitglieder waren unter anderem drei Brüder Schüle, 2 Brüder Fuchs, 2 Brüder Hermle, die Herren Kreidler, Vogler, Wirst, Buck, sie gehörten teilweise auch dem Kirchenchor an.
Da die Leitung beider Vereine in einer Hand lag, war eine reibungslose Zusammenarbeit gewährleistet.

An hohen Feiertagen, wie Weihnachten, Karfreitag, Ostern, Pfingsten, Fronleichnam und Primizen wurden gemeinsam Orchestermessen aufgeführt. Man hat dann Verstärkung zugezogen, es waren meist Lehrer katholischer Schulen, Studenten und bekannte Musiker.

Die wöchentlichen Singproben fanden bis zur Fertigstellung, bzw. Erweiterung der Kirche, freitags im Josefheim, später kann im Untergeschoss des Gemeindehauses statt.

Herr Klotzbücher bemühte sich laufend um neue Sänger und Sängerinnen um das Niveau des Chores zu halten und zu verbessern.

Die Mitgliederzahl des Chores schwankte meinem Wissen nach zwischen 65 und 15 Mitgliedern.

Der Chor war eine harmonische Gemeinschaft, die Mitglieder hilfsbereit und aufgeschlossen. Geselligkeit wurde gepflegt. So fand jeden ersten Freitag im Monat nach der abendlichen Singstunde eine kleine Hocketse, erst im Josefheim ( Sießener Schwestern ), später meines Erinnerns im Bellevue statt.

An Sonntagen trafen sich die Familien auf der Marienburg zum Musizieren, Fußballspielen oder eben zum gemütlichen Beisammensein.

Vor Weihnachten und im Fasching fanden Feste und Feiern, Aufführungen und Singspiele, bei denen alle beteiligt waren, im Josefheim oder im Bellevue statt.

Höhepunkt des Jahres war der Kirchenchorausflug im Sommer. Schon in der Früh zwischen 5 oder 6 Uhr fuhr man ab. Auch Familienangehörige konnten teilnehmen. Der Herr Stadtpfarrer Ströbele nahm mit seiner Schwester-Fräulein Josefine- teil. Es war immer ein großes Fest, zumal man oft in den besuchten Orten bzw. Kirchen sang.

Bei der Vorbereitung halfen alle Mitglieder und es klappte immer alles bestens. Man besuchte:

Speyer - Schöneberg-Ellwangen - Neresheim - Beuron - Hohenzollern - Hohenlohe Langenburg - Kloster Schöntal - Zwiefalten - Lichtenstein - Schwarzwald.

Zu damaligen Zeiten hatte man noch nicht die Möglichkeiten mit Reisebüros und Sonderzügen Tagesfahrten zu unternehmen.

Im März 1930 gestaltete der Kirchenchor im Rundfunk, man sagte damals Radio‚-( es war im alten Waisenhaus untergebracht) eine katholische Morgenfeier. Die Angehörigen und der Sänger saßen andächtig mit ihrem Kopfhören daheim und lauschten dem Gesang.

Während des Hochamtes ging im Chor ein Klingelbeutel um. Ein Sänger verwaltete das Geldopfer. Von dem gesammelten Betrag stiftete der Chor:

Ein Fenster für die Kirche: Hl. Cäcilia
Zur neuen Orgel wurde ein beträchtlicher Betrag gegeben.

Die neue Orgel wurde von der Firma Späth, Ennentach, geliefert. Mit der Alten gab es oft Probleme. Ab und zu gab sie ihren Geist auf, dann mussten rasch einige kräftige Herren vom Bass oder Tenor den Blasebalg treten. Trat man zu langsam oder auch zu rasch, dann kam der Organist aus dem Takt. Trotz allen Ernstes trug letzteres zur stillen Erheiterung bei.

Dieser Bericht interessiert 3 Chronisten



Zeitliche Einordnung


Kommentare

von Waltraud Beck, am 18.06.2009 15:46 Uhr

Liebe Dorothee,
der Bericht deiner Mutter ist wunderbar gestaltet und sehr aufschlußreich. Ich kenne mich ja im Chorwesen aus und war auch jahrelang im Kirchenchor - die Mitglieder waren in der Gemeinde sehr integriert - . Ich denke, in der damaligen Zeit war der Zusammenhalt in der Gemeinde noch wesentlich mehr ausgeprägt, auf jeden Fall ging es in die Familien hinein, man war dabei und das nicht nur mit der Stimme.
Danke , dass du diesen Bericht eingestellt hast, er ist sehr wichtig für die gesellschaftliche Ordnung.
Liebe Grüße Waltraud



Stuttgarter Zeitung
 
 
von Zeit zu Zeit