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Lehrzeit

Eingestellt von

Juergen Kehrberger
Juergen Kehrberger
am 10.09.2008

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Ort

Bad Cannstatt, Stuttgart

Zeitzeugenbericht

Am 20. November 1958 unterzeichnete ich mit kindlicher Unterschrift meinen Lehrvertrag zum Lehrberuf Schriftsetzer. Am 1. April 1959, im Alter von 15 Jahren, trat ich die Ausbildung bei der Buchdruckerei Stümpflen in Stuttgart-Bad Cannstatt an. Die sogenannte Ausbildungsbeihilfe betrug im ersten Lehrjahr 61,-, im zweiten Lehrjahr 80,- und im dritten Jahr 100,- DM. Da ich in Rommelshausen im vorderen Remstal wohnte, mußte ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Cannstatt fahren. Das war abenteuerlich. Mit dem Bus zuerst nach Fellbach. Von dort mit der Straßenbahn Linie 1 oder 11 nach Bad Cannstatt zum Wilhelmsplatz. Der Rest war Fußmarsch. Durch die Marktstraße, über die Neckarbrücke in die Brückenstraße, dann rechts weg in die Duisburger Straße 36. Am Abend in umgekehrter Reihenfolge zurück. Gefährlich war die Linie 11, die damals noch fuhr. Der Elfer hatte offene Türen. Selbst wenn die Bahn schon abgefahren war, konnte man hinterher sprinten und aufspringen. Wie Trauben hingen die Menschen oft an der Tür und drängten nach innen.
Ein andere Möglichkeit nach Bad Cannstatt zu kommen war die Eisenbahn. Zuerst wieder ein Fußmarsch von etwa 15 Minuten zum Bahnhof. Dann über Waiblingen und Fellbach zum Bahnhof Bad Cannstatt. Dann wieder der Fußmarsch über den Wilhelmsplatz und durch die Marktstraße. Ich war immer in Eile. Zu spät kommen durfte man eigentlich nicht.
Die damalige Gewerbliche Berufs- und Fachschule für das Graphische Gewerbe befand sich in Stuttgart an der Ecke Rosenberg-/Seidenstraße. Um dorthin zu kommen fuhr ich mit der Eisenbahn zum Hauptbahnhof. Dort traf man schon auf Kollegen, die den gleichen Weg hatten. Zu Fuß marschierten wir über die Kriegsbergstraße, vorbei am Katharinenhospital, dann über den Hegelplatz zur Seidenstraße. Die Kreuzung Rosenberg-/Seidenstraße war damals noch mit einer sogenannten Hoyer-Ampel geregelt. Sie hing in der Mitte der Kreuzung und ein Zeiger drehte sich langsam von Rot auf Grün.
Im Hoppenlauf-Friedhof verbrachten wir die Mittagspause. Einige von uns liefen auch zum Rotebühlplatz vor. Dort befand sich das Musikhaus Barth. Man konnte dort die neuesten Platten anhören.
Im Frühjahr 1962 endete die Lehrzeit. Höhepunkt am Ende der Lehrzeit ist im Graphischen Gewerbe, das sogenannte Gautschen. Setzer und Drucker erfahren eine Wassertaufe, von da an sind sie Gehilfe.
Mein erster Lohn als Gehilfe betrug so um die 2.- DM pro Stunde. Man bekam den Lohn noch in der braunen Papiertüte mit dem langen Lohnstreifen. 1965, nach meiner Zeit bei der Bundeswehr, bekam ich jedoch schon 4,80 DM pro Stunde. Damals gab es noch schöne Lohnzuwächse.

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