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Einschulung 1964

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am 10.01.2009

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Zeitzeugenbericht

Auch ich habe mich gefreut, endlich in die Schule zu kommen. Im Frühjahr 1964 war es endlich soweit.
Mit über 30 anderen (die Klassen waren damals größer und es hat keinen gestört) wurde ich in der Falkertschule eingeschult. Erinnern kann ich mich noch an eine große Tüte Karamell-bonbons in der Schultüte. Und ein Füller war auch drin, den ich zum ersten Mal in der zweiten Klasse verwenden durfte, da bis dahin nur mit Wachs-, Bunt- oder Bleistift geschrieben wurde.

So lernten ich und viele andere nach der Ganzwort-Methode mehr oder weniger erfolgreich lesen und schreiben. Die ersten Wörter waren Hans und Lotte, die verbissen zu Papier gemalt wurden.

Nach etwa einem halben Jahr Schulbesuch war ich dann mit den Kumpels auf der Gass. Malkreide hatten wir und den nicht unterdrückbaren Wunsch etwas richtig Böses zu tun. Also wurde beraten, was auf Hauswände und Gehwege geschrieben werden sollte. Blödmann wusste keiner wie's geschrieben wird, Dummkopf - zu lang, zu schwierig. Geeinigt hat man sich dann und schrieb mit Begeisterung und erstaunlichem Durchhaltevermögen bis die Kreide alle war, "ASCH" (kein Tippfehler und wir kannten nur die GROSSBUCHSTABEN) im ganzen Viertel auf Boden und Wände.

Nachdem die ersten beiden Klassen mit Würde und Erfolg absolviert waren, hat uns eine der fürchterlichsten Reformen des Schulwesens gepackt. Diese Reform hieß Kurzschuljahre. Dies bedeutete für mich, dass die Klassen drei und vier der Grundschule in einem Schuljahr abgewickelt wurden, selbstverständlich auch noch mit Wechsel des Klassenlehrers.

Ob der Verantwortliche in einem Kultusministerium mit 54 oder mit 55 Jahren eine Fehlentscheidung trifft, ist belanglos, aber ob ein Kind mit 10 oder 11 Jahren eine weiterführende Schule besucht, ist entscheidend, vor allem wenn die weiterführende Schule in keiner Weise berücksichtigt, dass ihre Neulinge vielleicht ein Quäntchen unreifer sind und verständlicherweise weniger Grundwissen haben als die Jahrgänge vorher seit 1871.

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Kommentare

von Dorothee Kaufmann, am 10.01.2009 17:57 Uhr

Ich bin auch nach der Ganzwortmethode geschult worden, hatte es aber schon vergessen, bis Frau Beck anhand meines Einschulungsfotos mich daran erinnert hat. Meine Mutter hat sehr auf diese Methode geschimpft, aber es hat ja doch irgendwie geklappt mit dem Lesen und Schreiben.

von sylvia Athanasas, am 06.02.2009 16:50 Uhr

Auch ich kenne Hans und Lotte und das Kurzschuljahr, bin Jahrgang 1954 und im Fruehjahr eingeschult worden, spaeter ist man dann im Herbst nach den grossen Ferien eingeschult worden.



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