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Auch Stuttgart hat seinen Hafen

1958-2013

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Er ist nicht gerade das Tor zur Welt, zumal er mitten im Land liegt. Dennoch: der Stuttgarter Hafen ist von großer wirtschaftlicher Bedeutung, denn er verbindet die Stadt mit internationalen Gewässern. 1958 ist der Neckarhafen mit politischer Prominenz aus dem In- und Ausland eröffnet worden.


50 Jahre Stuttgarter Hafen

Vor 50 Jahren haben 3000 Gäste aus dem In- und Ausland die Eröffnung des Stuttgarter Neckarhafens gefeiert Am 31. März 1958 hat Bundespräsident Theodor Heuss den Stuttgarter Hafen eröffnet. 3000 Gäste feierten damals die Anbindung der Stadt an das internationale Wasserstraßennetz. Aber nicht alle Stuttgarter waren in Feierlaune.

Von Jürgen Brand

Der 31. März 1958 war ein bitterkalter Tag. Und weil die Kälte am Wasser – auch wenn es „nur“ der Neckar ist – noch unangenehmer hochsteigt, hatten sich die Herren Theodor Heuss, Arnulf Klett (Oberbürgerme­ister), Hans-Christoph Seebohm (Bundesverkeh­rsminister) und Gebhard Müller (Ministerpräsident) warm eingepackt, als sie zur Hafeneinweihung schritten. An der Schleuse Untertürkheim war ein schwarz-rot-goldenes Band quer über den Neckar gespannt, das Heuss kurz vor halb zehn Uhr morgens durchschnitt.

Gäste von der Küste

An dem Tag herrschte Aufbruchstimmung bei den Gästen, unter denen beispielsweise auch die Oberbürgermeister von Amsterdam und Rotterdam waren, und bei den Rednern, wie einige Auszüge aus den Ansprachen zeigen. Oberbürgermeister Klett: „Stuttgart, eine ausgesprochene Binnenstadt, wird nun auch Hafen und ist angeschlossen an das europäische Kanal- und Binnenschifffah­rtssystem. Was diese Tatsache für das wirtschaftliche Leben unseres Gemeinwesens bedeutet, können heute wahrscheinlich noch nicht alle unserer Bürger ermessen.“

Bundesverkehrsmi­nister Blohm sagte: „Ich hoffe und wünsche, dass alle Erwartungen, die an dieses Werk geknüpft werden, in Erfüllung gehen und dass die Wasserstraße dem Stuttgarter Raum und seiner Umgebung Wohlstand und eine glückliche wirtschaftliche Entwicklung bringen wird.“ Und Bundespräsident Heuss erklärte: „Die Böller wollen knallen, die Ketten warten darauf, zu rasseln, die Kräne werden ächzen, die Sirenen wollen heulen, nicht um uns zu ängstigen, sondern um eben jene Zukunft zu signalisieren.“

Hafengegner wie auf den Fildern

Allerdings waren nicht alle Stuttgarter in Festtagsstimmung. Es gab auch kritische Stimmen und Sorgen, die mit dem Großprojekt, das den Neckar und die Landschaft zwischen den Stadtbezirken Unter- und Obertürkheim, Wangen und Hedelfingen so grundlegend veränderte, verknüpft waren. Bis zum Hafenbau und der damit verbundenen Kanalisierung des Flusses floss das Neckarwasser in seinem ursprünglichen Bett, ungefähr da, wo heute die Hafenbahnstraße verläuft. Auf dem heutigen Hafengelände erstreckten sich fruchtbare Felder, Gärten und Wiesen. Die Landwirte und Grundbesitzer wehrten sich gegen das Projekt, mussten ihr Land dann aber doch verkaufen, nachdem die Stadt ihnen mit Enteignung gedroht hatte. 13 bis 15 Mark bekamen sie pro Quadratmeter, was selbst für damalige Verhältnisse offenbar sehr günstig für die Stadt war. Noch 30 Jahre später forderte der „Verband der Neckargeschädigten“ Nachzahlungen von der Stadt.

Am 20. September 1954 war der erste Spatenstich für das rund 80 Millionen Mark teure Großprojekt in einem kleinen Schrebergarten am Neckarufer. Arnulf Klett nahm dafür aber keineswegs eine Schaufel, sondern setzte sich an die Steuerhebel eines Baggers. Spätestens seit damals sind Stuttgarter Oberbürgermeister bei solchen Anlässen begeisterte Baggerführer.

Drei Millionen Tonnen Waren pro Jahr

Die aufwendige und komplizierte Buddelei samt Neckarverlegung und Bau der Hafenanlagen auf rund 100 Hektar Fläche wurde in dreieinhalb Jahren durchgezogen, der zweite Bauabschnitt folgte erst von 1966 bis 1968. Seit der Eröffnung 1958 bis heute ist jeder Quadratmeter im Hafen dauerhaft vermietet. Keine der dort ansässigen großen Firmen wie beispielsweise Rhenus Logistics als größter Mieter will auch nur einen Quadratmeter im Hafen aufgeben. Auf Pläne, wie die für Wohnungen am Neckar, wie sie vor wenigen Jahren gemacht wurden, reagieren die Unternehmen allergisch, weil sie dauerhaft an dem Standort bleiben wollen. Deswegen sind diese Pläne auch rasch wieder in irgendwelchen Schubladen verschwunden.

Heute arbeiten im Hafen mehr als 2500 Menschen in rund 50 Firmen. Der jährliche Warenumschlag im Hafen beträgt knapp drei Millionen Tonnen, die per Lastwagen, Güterzug und Schiff an- und abtransportiert werden. Die Hafen Stuttgart GmbH ist eine Beteiligungsge­sellschaft der Landeshauptstadt und hat nach Angaben von Geschäftsführer Bernd Schopf seit der Eröffnung des Hafens immer schwarze Zahlen geschrieben. Aus dem Gewinn fließt jedes Jahr ein Millionenbetrag in die Stadtkasse.


Der Hafenarbeiter von heute

Am Ostkai des Hafens werden Zehntausende Container im Jahr umgeladen – zum Beispiel vom Schiff auf den Lastwagen. Slobodan Roljic steuert einen der zwei riesigen Kräne, mit denen die schweren Blechkisten bewegt werden.

Von Viola Volland

Kurz vor 6 Uhr morgens hat Slobodan Roljic an diesem Tag die 81 luftigen Stufen zu seinem Arbeitsplatz erklommen. Den Sonnenaufgang wenig später registriert er nicht. Zu konzentriert ist der Blick des 31-jährigen Kranfahrers 20 Meter in die Tiefe gerichtet. Auch jetzt, vier Stunden später, ist sein Körper vornübergebeugt, die Hände liegen auf zwei Schaltknüppeln. Mit dem rechten Joystick bewegt Roljic den mächtigen Kran auf den Schienen hin und her, mit dem linken steuert er mit schnellen Bewegungen den roten Greifer. Rechts, etwas nach vorne, nach links, noch etwas nach vorne.

An jeder Ecke eines Containers ist ein Loch, die muss Roljic mit den Stiften des Greifers treffen. Von hier oben eine Millimeterarbeit. Roljic drückt auf einen Knopf, auf dem „Spreader verriegeln“ steht. So nennt man den Greifer in der Fachsprache. Unten in der Tiefe werden Container und Greifer eins. Der rote Container schwebt surrend in die Höhe. Einer von einigen Hundert, die Slobodan Roljic an diesem Tag versetzen wird.

Er ist einer von fünf Kranführern, die im Zweischichtsystem beim 1996 in Betrieb genommenen Containerterminal am Hafen arbeiten. Zwei große Kräne und ein Stapler sind auf dem 30 000-Quadratmeter-Gelände im Einsatz. Für 2007 weist die Statistik 33 542 Container für Schiff und Schiene aus. Lastwagen werden nicht gezählt, machen aber wohl ebenso viele Container aus. Der Terminal arbeitet an der Kapazitätsgrenze.

Wie ein Computerspiel in echt

Slobodan Roljic ist seit einem halben Jahr Kranführer. Zuvor hat der Cannstatter, den auch bei der Arbeit alle nur Slobo nennen, schon einige Jobs ausprobiert. Im Büro, im Restaurant und als Fensterputzer hat er sein Geld verdient. In seinem neuen Beruf hilft ihm, dass er absolut schwindelfrei ist. Vielleicht auch, dass er immer ein guter Computerspieler war – auch seine Arbeit erinnert an ein Computerspiel. Nur stapelt er statt bunter Klötzchen am Bildschirm blaue, gelbe und rote Riesenblechkisten auf- und nebeneinander. Dafür gibt es eine Zone für den Import, eine für den Export, eine für das Schiff nach Rotterdam, eine für das nach Antwerpen, eine für Gefahrgüter, eine für den Zug. Und es gibt Zonen für die Reedereien. Am schwierigsten sei es anfangs gewesen, nicht den Überblick über das Gelände zu verlieren, sagt Slobodan Roljic. Inzwischen hat er das Ordnungssystem verinnerlicht.

Dem Stuttgarter gefällt es, dass er in seinem Job immer im Trockenen sitzt, dass er nette Kollegen hat, dass er „über den Dingen“ schwebt. Allerdings kann er die Aussicht auf die Weinberge kaum genießen. Weil ein Lastwagen, ein Zug oder die Neckarstein be- oder entladen werden muss. Oder weil eigentlich alles eigentlich gleichzeitig passieren muss, so wie heute.

Wenn die Schiffe kommen

Dienstags und freitags kommen die Schiffe, die Neckarstein und die Excelsior, da sei es immer besonders stressig, sagt Slobodan Roljic, der die Träger seiner roten Latzhose heruntergelassen hat, damit sie nicht wegen der gebeugten Haltung einschneiden. Auf einer Anzeige kann der Kranfahrer sehen, wie schwer die jeweils zu bewegenden Container sind. Die von der Neckarstein am Vormittag wiegen zwei bis vier Tonnen. Sie sind leer. 49 leere Container, die Slobodan Roljic „löschen“ muss, wie die Kranführer das Entladen in ihrer Fachsprache nennen.

Bei einem blauen Container von einem Lastwagen springt die Gewichtsanzeige auf 20 Tonnen. Der Kranfahrer merkt auch ohne die Anzeige, ob ein Container viel oder wenig wiegt. Entweder ruckelt die Vier-Quadratmeter-Kabine des 1996 in Betrieb genommenen Krans oder nicht. Im Winter wärmt hier eine Heizung die Arbeiter, im Sommer wird bei großer Hitze die Klimaanlage angeworfen. Das ist heute unnötig, Slobodan Roljic hat nur ein bisschen Musik laufen.

Plötzlich ruckelt die Kabine. Aber nur kurz, denn Roljic reagiert sofort. Er lässt den Greifer wieder ab. Ein Lastwagenfahrer hat vergessen, den Container auf seinem Auto zu entsichern. Hätte Roljic nicht aufgepasst, hätte er den gesamten Lastwagen mit in die Höhe gezogen. „An die Sicherheit zu denken ist besonders wichtig in diesem Beruf“, sagt der Mann, der über den Kisten thront.


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Kunst und Technik - eine ideale Verbindung
Eine so großartige Anlage wie der Stuttgarter Hafen mit all seinen Schubeinheiten, Lastenkähnen, Hebebühnen , Plattformen und Konstruktionen aller Art ist die beste Kulisse für eine Theaterbühne. ...

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