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Marstall-Center rettet Ludwigsburg vor Niedergang

1970-2015

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Auf diesem Bild aus dem Jahr 1960 sind vorne in der Mitte die maroden Kasernen auf dem Marstall-Areal zu sehen, die Anfang der 70er Jahre durch das Marstall-Center ersetzt wurden. Links in der Bildmitte befindet sich der Holzmarkt, darüber sind die Stadtkirche und der Marktplatz. Rechts ist in der Bildmi...

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Das Marstall-Center in Ludwigsburg war von Anfang an umstritten, dennoch erfüllte es jahrzehntelang seinen Zweck.

Von Melanie Braun

Die Kritik am Ludwigsburger Einkaufszentrum im Marstall samt seinem dominanten Wohnturm gab es schon immer. Noch bevor es Anfang der 1970er Jahre gebaut wurde, war die Rede von einer Verschandelung der Innenstadt, man sprach von „Beton und Barock“. Das ist heute kaum anders. Zwar werden in der kommenden Woche die neuen Ladenpassagen im Marstall eröffnet, doch die unansehnliche Fassade der Wohngebäude ist der Stadt und vielen Bürgern immer noch ein Dorn im Auge.

Dabei wurde das Marstall-Center bei seinem Bau – ebenso wie bei der jetzigen Wiedereröffnung – als Hoffnungsträger gefeiert. Es sollte die Untere Stadt davor bewahren, endgültig zu verwahrlosen, und einen lokalen Gegenpol zum Breuningerland im Tammerfeld darstellen, das 1973 eröffnet wurde. Denn die Ludwigsburger Einzelhändler befürchteten herbe Einbußen, wenn die Innenstadt gegenüber dem Kaufhaus auf der grünen Wiese nicht mehr mithalten könnte. Mehr als 40 Jahre nach der Eröffnung von Breuningerland und Marstall-Center ist diese Diskussion nun wieder topaktuell: Bereits 2011 hat Breuninger eine Erweiterung beantragt, die von der Stadt Ludwigsburg mit Blick auf die Cityhändler versagt wurde. Nun hat der Kaufhauskonzern seine Anfrage offenbar wiederholt, man ist im Gespräch.nnDieter Hornig hat die Entwicklung rund um den Marstall hautnah miterlebt. Der heute 73-jährige Architekt begann 1974, im Ludwigsburger Stadtplanungsamt zu arbeiten – und blieb dort 34 Jahre lang. Er erinnert sich gut an die Anfänge des Marstall-Centers, das 1974 eröffnet wurde, an die Kritik und an die Hoffnungen, die damit verknüpft waren. „Der Betonkasten erregte von Anfang an Unmut“, erzählt Hornig. Viele hätten die wuchtige Betonfassade als hässlich und völlig unpassend in der Barockstadt empfunden. Um die Wirkung abzumildern, habe man immerhin die beigen Eternitplatten angebracht. Ganz verstummt ist die Kritik jedoch nie.

Die Rechnung ging dennoch auf: Man habe die Kaufkraft in Ludwigsburg halten können, zudem habe sich die Untere Stadt in den vergangenen Jahrzehnten durchaus gemacht, sagt Hornig. Das Einkaufszentrum und die Wohnungen hätten dazu geführt, „dass die Untere Stadt lebt und nicht niedergeht“. Das sei nicht selbstverständlich gewesen: Zuvor sei das Viertel verwahrlost gewesen und geprägt von schmuddeligen Kneipen und dubiosen Jazz-Bars. „Meine Mutter hat mich als Jugendlichen immer gewarnt, dorthin zu gehen“, erinnert sich Hornig.

Allerdings war lange Zeit nicht klar gewesen, dass ausgerechnet das Marstallgelände, auf dem nur noch teilweise genutzte, baufällige Kasernen standen, der damals verschlafenen Stadt zu neuer Blüte verhelfen sollte. In den 1950er Jahren hatte die Verwaltung diese Fläche zeitweise auch für eine Schule samt Pausen- und Sporthof vorgesehen. Zudem berichtet Hornig von zwei alternativen Standorten, die lange als Gegenpol zum Breuningerland im Gespräch gewesen seien. So habe man überlegt, die Musikhalle am Bahnhof oder aber die Arsenalkaserne abzureißen. In beiden Fällen wären die historischen Gebäude, die damals noch nicht denkmalgeschützt waren, durch ein neues Einkaufszentrum ersetzt worden. Auf dem Mathildenareal plante man zudem eine „Quelle“-Niederlassung, erzählt Hornig. Die Vorhaben wurden allesamt ad acta gelegt.

Das Marstall-Center hingegen kam gut an. Auch nach zehn Jahren war es offenbar noch beliebt: Zu dem Geburtstag wurde ein Volksfest gefeiert, bei dem es zwei Ochsen am Spieß und eine zehn Quadratmeter große Torte gab. Doch zu Beginn dieses Jahrtausends wurde immer deutlicher, dass das Gebäude marode ist und nicht mehr zeitgemäß: Läden schlossen, Kunden blieben aus. Die Neueröffnung ist nun eine Chance auf erneute Wiederbelebung.


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