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Floris Panoramabahn fuhr nur einen Sommer

1993-2017

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Vor 24 Jahren begann die Internationale Gartenbau-Ausstellung (IGA) in Stuttgart. Was blieb? Rote Zahlen und das viel gerühmte, aber wenig beachtete grüne U.

Von Thomas Durchdenwald

Mit Gartenschauen hat die Stadt Stuttgart viel Erfahrung, innerhalb von 54 Jahren fanden fünf große statt – zuletzt die am 23.April 1993 eröffnete Internationale Gartenbau-Ausstellung (IGA), die nun in Berlin Station macht.

Mit der ersten großen Gartenschau 1939 wurde das Killesberggelände aufpoliert, auch heute noch ein beliebter Treffpunkt. Zur Erinnerung an diese Reichsgartenschau gehört aber auch, dass in der Blumenhalle, der „Ehrenhalle des deutschen Reichsnährstands“, wie sie damals hieß, von 1941 an mehr als 2600 Juden, Sinti und Roma aus Württemberg vor ihrer Deportation ins KZ und den sicheren Tod eingepfercht wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg widmeten sich die Bundesgartenschauen 1950, 1961 und 1977 erneut dem Killesberggelände, dem Schlossgarten und Teilen des Rosensteinparks – Grünareale, die eingezwängt zwischen Stadtautobahnen und Eisenbahntrassen dem auch heute in der Feinstaubdebatte wieder auflebenden Wahn nach der autogerechten Stadt getrotzt hatten und sich zu einem grünen L formten, das von der City bis zum Löwentor reichte.

Die Landschaftsar­chitekten legten sich ins Zeug

Die IGA schloss als vorerst letzte Perle in der logisch folgenden Gartenschaukette die Lücke zwischen dem Rosensteinpark und dem Höhenpark Killesberg: Das rund acht Kilometer lange grüne U entstand, eine Idee des Stuttgarter Landschaftsar­chitekten Hans Luz. Dafür wurden 24 Hektar im Leibfriedschen Garten und am Wartberg nach den Plänen der Gruppe Luz, Egenhofer, Lohrer und Schlaich umgestaltet, der Egelsee und viele Kunststationen angelegt. Ein Vogel mit Cowboyhut wurde zum Maskottchen namens Flori ausgerufen, einige, noch heute optisch bestechende Fußgängerstege wurden gebaut und im Rahmen eines experimentellen Wohnungsbaus besondere Hoch- und Reihenhäuser am Nordbahnhof errichtet. Um die beträchtlichen Steigungen zu überwinden, wurde noch eine computergesteuerte Panoramabahn aufgebaut, die sich zu einer der Hauptattraktionen der IGA entwickelte, danach aber demontiert wurde.

Und was blieb? Da ist zum einen das grüne U, ein Grüngürtel durch die Stadt, der vor einigen Jahren vom Killesberg bis zur Feuerbacher Heide verlängert worden ist. Die Parks, Gärten und Aussichtspunkte, „die die Stadt seit jeher prägen“ (Hans Luz), sind beliebt bei der Bevölkerung und von der Fachwelt gerühmt, doch offiziell fristen sie eher ein Schattendasein. Immer wieder gibt es Klagen über unzureichende Pflege. Zumal es noch immer nicht gelungen ist, aus dem U ein X zu machen, nämlich die Ausdehnung in Richtung Neckar und Bad Cannstatt voranzutreiben. Geblieben sind auch mehr als 40 Kleingärten und die vhs-Ökostation am Wartberg und der später errichtete, filigrane Killesbergturm, ein Meisterwerk des Bauingenieurs Jörg Schlaich.

Gartenschauen sind Motoren der Stadtentwicklung

Geblieben ist auch die Erinnerung an ein besonders Jahr 1993, in dem nicht nur die IGA, sondern auch die Leichtathletik-WM stattfand, die untrennbar mit dem Zitat des damaligen Weltverbandspräsi­denten Primo Nebiolo verbunden ist: „Be happy and pay the deficit“. Das galt auch für die IGA, die mit 51,1 Millionen Euro für die Daueranlagen und 40,9 Millionen Euro Defizit für die Ausstellung, die 7,3 Millionen Besucher sehen wollten, den städtischen Etat belastete, aber immerhin Bleibendes schuf, während die Laufbahn im Stadion längst Geschichte ist.

Was bleibt? „Die Gartenschau hat mich die Gallenblase gekostet“, witzelte Werner Koch, der damalige Leiter des Gartenbauamts, bei seiner Pensionierung im Jahr 2011. Und ernsthaft: Gartenschauen seien immer Motoren der Stadtentwicklung. Nach Stuttgart 21 müsse eigentlich die nächste kommen.


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